Zum Inhalt

Ratgeber

Mindestlohn Schweiz: Was an deinem Arbeitsort gilt

Die Mindestlöhne 2026 nach Kanton und Stadt, der Stand in Zürich und Winterthur und Rechenbeispiele für Stunden- und Monatslohn. So prüfst du, welche Untergrenze für deinen Job gilt.

Von
jopp
Veröffentlicht am
Lesezeit
7 Min.

Einen einheitlichen Mindestlohn für die ganze Schweiz gibt es nicht. Entscheidend sind dein Arbeitsort, die Branche und das Arbeitsverhältnis. Fünf Kantone haben einen kantonalen Mindestlohn. Zusätzlich gilt in der Stadt Luzern ein eigener Ansatz. Auch ohne kantonalen Mindestlohn kann ein Gesamtarbeitsvertrag einen Mindestlohn vorschreiben. Das erklärt die Übersicht des Behördenportals ch.ch.

Alle Beträge sind brutto in Schweizer Franken.

Stand: 22. September 2026. Der Artikel bietet eine Orientierung, keine individuelle Rechtsberatung. Prüfe vor einer Lohnforderung die für dich geltende Regelung und ihre Ausnahmen.

Mindestlohn 2026 nach Kanton und Stadt

Diese Grundansätze sind in Kraft, gelten aber nicht für jeden Job. Prüfe deshalb auch den Geltungsbereich und die Ausnahmen in der verlinkten amtlichen Quelle.

Arbeitsort Grundansatz pro Stunde
Kanton Genf CHF 24.59
Kanton Basel-Stadt CHF 22.20
Kanton Jura CHF 21.40
Kanton Neuenburg CHF 21.35
Kanton Tessin CHF 20.00 bis 20.50
Stadt Luzern CHF 22.75

Im Tessin bestimmt der Wirtschaftszweig den Ansatz. In der kantonalen Tabelle findest du ihn unter dem NOGA-Code deiner Branche. CHF 20.00 ist deshalb nicht der Mindestlohn für alle Tessiner Stellen.

Für bestimmte Branchen gelten andere Ansätze. In Genf sind es 2026 in der Landwirtschaft und im Blumenbau CHF 18.07. In Neuenburg gelten in der Landwirtschaft, im Weinbau und im Gartenbau CHF 18.15. Weitere Ausnahmen und das Verhältnis zu Branchenverträgen musst du separat prüfen.

Luzern meint die Stadt, nicht den ganzen Kanton

Der städtische Mindestlohn gilt seit dem 1. Januar 2026, jedoch nicht im übrigen Kanton. Am 27. September 2026 stimmt die Stadt über die Aufhebung des Mindestlohnreglements ab. Zum Recherchestand gilt es weiterhin. Prüfe bei einem späteren Stellenantritt in der aktuellen Mitteilung der Stadt Luzern, ob und wann das Reglement aufgehoben wird.

Zürich, Winterthur und Waadt: beschlossen heisst nicht in Kraft

Stadt Zürich

Die Bevölkerung hat einem Grundbetrag von CHF 23.90 pro Stunde zugestimmt. Das Bundesgericht bestätigte die Regelung am 12. Mai 2026. Der Einführungstermin ist noch offen. Die Stadt kündigt mindestens ein halbes Jahr Vorlauf an. CHF 23.90 gilt deshalb noch nicht als städtischer Mindestlohn. Die Regelung betrifft zudem nur die Stadt, nicht den ganzen Kanton Zürich. Den aktuellen Stand findest du auf der Seite der Stadt zur Einführung.

Stadt Winterthur

Auch hier bestätigte das Bundesgericht die beschlossene Regelung. Sie sieht einen Grundbetrag von CHF 23 pro Stunde mit Teuerungsanpassung vor. Laut Stadt Winterthur steht der Starttermin noch nicht fest. Bis dahin ändert sich durch diese Vorlage für Beschäftigte nichts.

Kanton Waadt

Am 14. Juni 2026 nahm die Bevölkerung den Verfassungsgrundsatz eines Mindestlohns an, lehnte aber das Ausführungsgesetz und den Gegenvorschlag ab. Damit steht noch kein anwendbarer kantonaler Stundenansatz fest. Die Ergebnisse hält der Kanton in seiner Mitteilung zur Abstimmung fest.

Welcher Mindestlohn gilt für deinen Job?

1. Kläre den tatsächlichen Arbeitsort

Beginne mit dem Ort, an dem du arbeitest, nicht mit deiner Wohnadresse oder dem Hauptsitz des Unternehmens. Nach den Genfer Regeln zum Geltungsbereich zählt beispielsweise, ob du ausschliesslich, überwiegend oder regelmässig im Kanton arbeitest. Die Regeln können auch für Beschäftigte eines auswärtigen Unternehmens gelten.

Bei wechselnden Einsatzorten, Entsendung oder grenzüberschreitendem Homeoffice solltest du die zuständige Behörde nach der Zuordnung fragen. Die Ortsbezeichnung im Stelleninserat allein klärt solche Fälle nicht.

2. Prüfe Gesamtarbeitsvertrag und Normalarbeitsvertrag

Ein Gesamtarbeitsvertrag, kurz GAV, regelt Arbeitsbedingungen für die erfassten Betriebe und Beschäftigten. Ein allgemeinverbindlich erklärter GAV kann auch Arbeitgeber binden, die nicht dem abschliessenden Verband angehören. Welche Tätigkeiten, Regionen und Personengruppen er umfasst, steht im Vertrag. Die SECO-Grundlagen zu GAV erklären die Unterschiede.

Daneben gibt es Normalarbeitsverträge, kurz NAV, mit zwingenden Mindestlöhnen. Das SECO führt eine Liste der NAV von Bund und Kantonen. Auch ohne kantonalen Mindestlohn kann für deinen Job also eine verbindliche Lohnuntergrenze gelten.

Frage den Arbeitgeber nach dem genauen Vertrag und deiner Lohnkategorie. Ausbildung, anrechenbare Berufserfahrung und Tätigkeit können den Betrag verändern. Über die SECO-Seite mit dem Mindestlohnrechner findest du Branchenregeln und zuständige Stellen. Verwechsle diesen Rechner nicht mit einem statistischen Lohnrechner. Dieser zeigt ortsübliche Löhne, keine verbindlichen Mindestlöhne.

3. Prüfe, welche Regel vorgeht

Die Formel "Es gilt immer der höhere Betrag" ist als schweizweite Regel zu einfach. In Genf verdrängt der kantonale Mindestlohn tiefere Ansätze eines GAV oder NAV, soweit das Arbeitsverhältnis unter das Mindestlohngesetz fällt. In Basel-Stadt sind Arbeitsverhältnisse unter einem allgemeinverbindlichen GAV oder einem NAV mit Mindestlöhnen hingegen vom kantonalen Mindestlohn ausgenommen. Vergleiche die Genfer Regel mit den Basler Erläuterungen.

Im Jura bestehen ebenfalls Ausnahmen für bestimmte GAV und NAV. Dort enthält die amtliche Lohnübersicht etwa eigene Regeln für den Verkauf. Übernimm deshalb keinen Kantonsbetrag ungeprüft als persönliche Lohnforderung.

Das Parlament beschloss am 19. Juni 2026 eine Gesetzesänderung zum Vorrang allgemeinverbindlicher GAV-Mindestlöhne. Die Referendumsfrist läuft bis zum 8. Oktober 2026. Wann die Änderung in Kraft tritt, bestimmt der Bundesrat. Zum Recherchestand gilt sie noch nicht.

4. Kläre Ausnahmen für dein Arbeitsverhältnis

Bei einer Lehre, einem Ausbildungspraktikum oder einer Integrationsmassnahme können andere Regeln gelten als bei einer regulären Stelle. Auch für junge Beschäftigte oder Ferienjobs gibt es Sonderregeln. Genf nimmt beispielsweise unter 18-Jährige aus. Seit dem 8. April 2026 gilt dort für bestimmte Ferienjobs von Studierenden ein Ansatz von 75 Prozent. Dafür müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein. Der Ferienjob darf unter anderem höchstens 60 Tage pro Kalenderjahr dauern. Prüfe die vollständigen Genfer Ausnahmen. Die Bezeichnung "Studentenjob" allein rechtfertigt noch keinen tieferen Ansatz.

Stundenlohn und Monatslohn richtig vergleichen

Notiere zuerst Wochenstunden, Pensum und Anzahl Monatslöhne. Trenne den Grundlohn von Ferienentschädigung und weiteren Zuschlägen. Ohne diese Angaben kannst du Monatslöhne kaum vergleichen.

Rechenbeispiel mit 40 oder 42 Wochenstunden

Für eine erste Umrechnung auf zwölf Monatslöhne kannst du so rechnen:

Stundenlohn × Wochenstunden × 52 ÷ 12 = durchschnittlicher Monatslohn.

Beim Genfer Grundansatz von CHF 24.59 ergeben sich rechnerisch:

Wochenstunden Monatsbetrag bei zwölf Zahlungen
40 Stunden CHF 4'262.27
42 Stunden CHF 4'475.38
32 Stunden, also 80 Prozent von 40 CHF 3'409.81

Das sind eigene Rechenbeispiele, auf Rappen gerundet. Sie setzen bezahlte Ferien im Monatslohn voraus und enthalten keine zusätzlichen Zulagen. Der Kanton Genf bietet einen eigenen Monatslohnrechner. Für eine konkrete Abrechnung gelten die amtliche Berechnung und die Regeln deines Arbeitsverhältnisses.

Bei Teilzeit sinkt die Zahl der bezahlten Stunden, nicht der anwendbare Mindestbetrag pro Stunde. Achte bei einem 80-Prozent-Angebot darauf, ob der genannte Lohn für dein Pensum gilt oder den Vollzeitlohn bezeichnet.

Zwölf oder dreizehn Monatslöhne?

Zwei erfundene Angebote mit identischem Pensum zeigen den Unterschied:

  • CHF 4'200 × 12 ergeben CHF 50'400 im Jahr.
  • CHF 4'000 × 13 ergeben CHF 52'000 im Jahr.

Das zweite Angebot hat den tieferen Monatsbetrag, aber den höheren Jahreslohn. Mit dieser Rechnung kannst du die Angebote vergleichen. Ob sie den Mindestlohn einhalten, musst du separat prüfen.

Ein 13. Monatslohn kommt nicht in jeder Mindestlohnregel zwingend dazu. Genf erlaubt eine Aufteilung auf 13 Zahlungen. In Basel-Stadt muss der Anteil monatlich ausbezahlt werden, wenn er nötig ist, um den Mindestlohn zu erreichen. Das erläutert der Kanton in seinen FAQ zum 13. Monatslohn. Prüfe deshalb auch den Auszahlungszeitpunkt.

Stundenlohn mit Ferienentschädigung

Ein angebotener Gesamtstundenlohn kann höher aussehen als sein Grundlohn. Basel-Stadt weist für 2026 bei vier Wochen Ferien CHF 22.20 Grundlohn, CHF 1.85 Ferienzuschlag und CHF 0.09 Feiertagszuschlag aus. Das ergibt CHF 24.14 brutto. Diese Basler Aufschlüsselung darfst du nicht pauschal auf andere Kantone oder Ferienansprüche übertragen.

Wie viel bleibt netto?

Die Tabelle zeigt keine Auszahlungsbeträge. Deine Abzüge hängen unter anderem von Sozialversicherungen, Pensionskasse und einer möglichen Quellensteuer ab. Es gibt deshalb keinen einheitlichen "Netto-Mindestlohn Schweiz". Lass dir für ein Angebot die voraussichtliche Lohnabrechnung erklären. Bei einem Zuzug hilft zusätzlich unser Ratgeber zur Arbeit und zum Umzug in die Schweiz, das Haushaltsbudget zu prüfen.

Was tun, wenn dein Lohn darunterliegt?

Sichere deinen Arbeitsvertrag, Lohnabrechnungen und Stundenaufzeichnungen. Halte fest, wo und in welcher Funktion du gearbeitet hast. Bitte den Arbeitgeber schriftlich um eine Aufschlüsselung des Lohns und die Begründung der angewandten Lohnkategorie oder Ausnahme.

Bleibt die Differenz ungeklärt, wende dich an die zuständige Stelle. Bei einem allgemeinverbindlichen GAV ist das häufig die paritätische Kommission, in der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite vertreten sind. Der SECO-Mindestlohnrechner nennt die Kontakte zur jeweiligen Branche. Für kantonale oder städtische Regeln findest du die Anlaufstelle auf den oben verlinkten Behördenseiten.

Eine behördliche Kontrolle bedeutet nicht zwingend, dass du deine eigene Lohnforderung damit durchsetzen kannst. Lass dich bei einem Streit zu Anspruch, Fristen und Verfahren beraten, etwa durch eine arbeitsrechtliche Beratungsstelle oder deine Gewerkschaft. Gehe nicht davon aus, dass du automatisch eine Nachzahlung erhältst oder anonym bleiben kannst. Frage bei der zuständigen Stelle nach.

Quellen

  1. Mindestlöhne und Medianlohn

    ch.ch · Abgerufen am

  2. Kantonaler Mindestlohn 2026

    Kanton Basel-Stadt · Abgerufen am

  3. Häufige Fragen zum kantonalen Mindestlohn

    Kanton Basel-Stadt · Abgerufen am

  4. Betrag und Berechnung des Genfer Mindestlohns

    Kanton Genf · Abgerufen am

  5. Geltungsbereich und Branchen mit besonderen Ansätzen

    Kanton Genf · Abgerufen am

  6. Ausnahmen und Ferienjobs

    Kanton Genf · Abgerufen am

  7. Mindestlohnansätze für 2026, Regierungsbeschluss vom 29. Oktober 2025

    Kanton Neuenburg · Abgerufen am

  8. Kantonaler Mindestlohn und Normalarbeitsverträge

    Kanton Jura · Abgerufen am

  9. Mindeststundenlohn nach Wirtschaftszweig, gültig ab 1. Januar 2026

    Kanton Tessin · Abgerufen am

  10. Städtischer Mindestlohn und Abstimmung vom 27. September 2026

    Stadt Luzern · Abgerufen am

  11. Mindestlohn, Stand der Einführung

    Stadt Zürich · Abgerufen am

  12. Mindestlohn in Winterthur

    Stadt Winterthur · Abgerufen am

  13. Mindestlohngrundsatz angenommen, Ausführungsgesetz abgelehnt

    Kanton Waadt · Abgerufen am

  14. Branchen prüfen und Mindestlohn berechnen

    Staatssekretariat für Wirtschaft SECO · Abgerufen am

  15. Gesamtarbeitsverträge, Grundlagen

    Staatssekretariat für Wirtschaft SECO · Abgerufen am

  16. Normalarbeitsverträge mit zwingenden Mindestlöhnen

    Staatssekretariat für Wirtschaft SECO · Abgerufen am

  17. Änderung des AVEG vom 19. Juni 2026, Referendumsfrist bis 8. Oktober 2026

    Bundesblatt, Fedlex · Abgerufen am